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Nach mir die Sintflut? Wie digitales Erbe geregelt werden kann.

Was passiert mit meinem Facebook-Profil, wenn ich sterbe? Wer hat Zugang zu meinen E-Mails?  Wer bringt meinen Dachbodenfund zur Post, den ich vor kurzem bei Ebay verkauft habe? Wer kennt das Passwort für meine digitale Fotosammlung, die in der Dropbox lagert? Wer schaltet meine Webseite ab? Oder ist es mir wichtig, dass die Seite weitergeführt wird?  Birgit Aurelia Janetzky (www.semno.de) kümmert sich um den digitalen Nachlass von Verstorbenen, was das ist und wie das funktioniert erfahren Sie in dem nachstehenden Artikel.

Nach mir die Sintflut?

Wer jung und kerngesund ist, der macht sich um vieles Gedanken, meist aber nicht darum, was nach seinem Tod mit seinen Nutzerkonten im Internet geschieht. „Ist mir doch egal“, „nach mir die Sintflut“, kann man als Kommentare lesen. Na klar, wer stirbt lässt alles zurück. Nichts ist mehr wichtig. Tot ist tot!

Smartphone
Der Zugriff auf die Apps ist meistens nicht ungehindert möglich. Was tun, wenn man die PIN nicht weiß?

Allerdings ist das eine recht einseitige Sichtweise. Die andere Seite, das sind die Freunde auf Facebook, die auch nach zwei Jahren noch aufgefordert werden, mir zum Geburtstag zu gratulieren. Oder mein Geschäftspartner, der verzweifelt Zugangsdaten sucht, um die Geschäfte weiterführen zu können.

Da ist meine Familie, die gerne meine Freundinnen und Freunde vom Tod benachrichtigen möchte, aber den Weg zur Kontaktliste im Smartphone versperrt das Eingabefeld für eine PIN. Die hatte ich nur im Kopf gespeichert, denn vier Ziffern kann man sich ja gut merken.

Mit dem Abschied ist für meine Angehörigen neben der Trauer auch die Aufgabe verbunden, alles zu regeln, was ich hinterlassen habe. Das betrifft den materiellen wie den digitalen Nachlass. Je intensiver ich das Internet genutzt habe, desto häufiger können Profile, Nutzerkonten und Daten zum Problem werden.

Der rechtliche Rahmen

Rechtlich gesehen gelten für den digitalen Nachlass die gleichen Regeln wie für den materiellen Nachlass. In der Praxis ist das digitale Erbe allerdings komplizierter zu handhaben. Zunächst müssen sich die Erben einen Überblick verschaffen, was bei passwortgeschützten Computern und unbekannten Nutzerkonten im Internet nicht ganz einfach ist. Die Angehörigen haben es in der Hand, das Andenken im Internet zu bewahren oder alle Spuren zu löschen.

Wenn ich mich mit einem Nickname in einem Onlineforum angemeldet habe, weil ich mal eine Frage hatte, dann darf das Konto weiter vor sich hindümpeln. Manches erledigt sich von selbst, wie eine E-Mail-Adresse bei einem Webmaildienst. Nach sechs Monaten Inaktivität wird das Konto deaktiviert. Was allerdings, wenn die Informationen über kostenpflichtige Dienste nur in diesem E-Mail-Account zu finden sind? Dann wäre es schon gut, wenn die Angehörigen Zugang hätten und die monatlichen Zahlungen an die Datingplattform stoppen könnten.

Social Media über den Tod hinaus?

Nachlasskontakt
Das Thema Nachlass im Hilfebereich von Facebook

Anderes erledigt sich nicht von selbst. Meine Profile auf Twitter oder Facebook bleiben bestehen. Meine Kontakte dort wissen ja nicht, ob ich nur die Lust verloren habe, gerade im Dschungel ohne Internetanschluss oder schon länger auf dem Friedhof begraben bin. Es sei denn, jemand gibt den Freunden Bescheid, loggt sich mit meinen Nutzerdaten ein und löscht das Profil oder meldet bei der Plattform, dass ich gestorben bin. Jede Plattform hat dann ihre eigenen Regeln. Bei Facebook kann über ein Formular beantragt werden, das Profil in einen Gedenkzustand zu versetzen. Die Pinnwand wird dann zum Kondolenzbuch.

Neben diesen praktischen Fragen zur Regelung des Nachlasses, sind für viele die emotionalen Aspekte wichtig. Wer aus der Familie nähert sich meinen privaten Details? Wer geht meinen Spuren nach, die in Myriaden belangloser Posts, aber auch in meine privatesten Notizen und Fotos führen können?

Natürlich kann ich auch hier sagen „ist mir doch egal“. Oder sogar heimlich darauf hoffen, dass die anderen so ein richtig schlechtes Gewissen bekommen, weil sie zu Lebzeiten nie danach gefragt haben, wie es mir geht.

Eine digitale Vorsorge hilft

Es geht aber auch anders: Indem man die Dinge beizeiten regelt. Eine Vorsorge für den digitalen Bereich hilft

  • die Angehörigen beim Aufräumen meiner Hinterlassenschaften zu entlasten
  • Privates von Geschäftlichem zu trennen und die Informationen denen zukommen zu lassen, für die sie wichtig sind
  • Missbrauch von Nutzerkonten zu verhindern
  • Geheimnisse zu wahren
  • Verträge zu kündigen
  • Geldwertes den Erben zugänglich zu machen

Daten nehmen keinen Platz weg, stauben nicht ein, fangen nicht an zu riechen. Digitale Vorsorge hilft auch dabei, einmal richtig im Digitalen aufzuräumen, nicht mehr benötigte Nutzerkonten zu schließen, Datenmüll zu löschen, das Passwortmanagement zu aktualisieren und wichtige Sachen besser auffindbar zu machen.

Wer seinen Angehörigen im Todesfall die Arbeit erleichtern möchte, sollte auf jeden Fall eine Aufstellung machen, welche Nutzerkonten er besitzt, wo die Zugangsdaten zu finden sind, wer welche digitalen Informationen erhalten und wer mit der Regelung des digitalen Nachlasses betraut werden soll.

Die Vorsorge muss dann noch rechtssicher gestaltet werden. Wer die Herausforderung annehmen will, seine digitalen Aktivitäten zu ordnen und eine digitale Vorsorge zu treffen, findet weiterführende Informationen auf meiner Plattform www.digitale-vorsorge.de Dort können Sie sich in eine E-Mail-Liste eintragen, um informiert zu werden, wenn die Schritt-für-Schritt Anleitung zur digitalen Vorsorge zur Verfügung steht.

Zur Person

Janetzky-Portrait_smBirgit Aurelia Janetzky ist Diplomtheologin, Social-Media-Managerin (IHK), Onlineberaterin (DGOB). Sie berät zu Fragen an der Schnittstelle von #Mensch #Tod #Internet (Digitaler Nachlass, Trauer im Internet, Social Media in der Bestattungsbranche). Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten www.semno.de und www.digitale-vorsorge.de

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2 Comments

  • Nach mir die Sintflut? Wie digitales Erbe geregelt werden kann. – SinnVoll Trauern auf WordPress 18. September 2016 at 12:05

    […] Was passiert mit meinem Facebook-Profil, wenn ich sterbe? Wer hat Zugang zu meinen E-Mails?  Wer bringt meinen Dachbodenfund zur Post, den ich vor kurzem bei Ebay verkauft habe? Wer kennt das Passwort für meine digitale Fotosammlung, die in der Dropbox lagert? Wer schaltet [zum vollständigen Artikel] […]

  • Nils.s 2. Oktober 2016 at 20:46

    “Offenbar ist der Tod für Millionen Individualisten die letzte Etappe der eigenen Selbstverwirklichung,…”
    Ich glaube nicht, dass man mit dem Satz den Kern trifft. Eher schätze ich, dass das Wegfallen des Religiösen für viele von uns bedeutet, dass der Tod pragmatischer betrachtet wird, die Erinnerung an die Menschen gedanklich von ihren sterblichen Überresten getrennt. Trauerfeiern müssen nicht zwingend in einem zeitlichen oder räumlichen Zusammenhang zur Beerdigung stehen, und um das Andenken eines lieben Menschen zu pflegen, muss man nicht automatisch die Pflege für die Verwahrstelle seiner sterblichen Überreste ritualisieren. Im Verwandtenkreis erlebe ich es immer wieder, dass gerade die, bei denen voraussictlich nix zu erben sein wird, sich unwohl fühlen bei dem Gedanken, dass ihr Ableben für die Hinterbliebenen zur finanziellen Belastung werden wird. Und das, obwohl sie selber kein Problem damit hätten, im Pappsarg verbrannt und anschließend irgendwo verstreut zu werden. Dass allerdings die Lobby hinter den deutschen Bestattungsgesetzen irgendwann nachgeben und eine Lockerung der Vorschriften hin in Richtung umweltgerechte Mindeststandards zulassen wird, werde ich wohl nicht mehr erleben. Und ich habe rein statistisch immerhin noch gut 40 Jahre auf der Uhr.

    https://www.bestatterverzeichnis.com

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