Aktuelles

Wenn Friedhöfe den Weg alles Irdischen gehen

Haben Sie sich schon einmal gefragt, was denn eigentlich mit den alten Friedhöfen geschieht, die nicht mehr genutzt werden? Oder was passiert wenn bei Bauarbeiten alte Gräber freigelegt werden?  Oder sich gewundert über Friedhofsanlagen in denen keine Beisetzungen mehr durchgeführt werden? Im nachstehenden Artikel finden sie die Antworten…

Es ist nicht so ganz einfach mit den Friedhöfen: als Platz für die Ewigkeit gedacht, kommen auch sie irgendwann einmal an ihr Ende. Aufgelöst, entwidmet oder manchmal einfach nur vergessen, schlummern nun die letzten Reste tief im Erdreich. Aber was passiert da eigentlich genau?

Grundsätzlich gilt wieder mal: Friedhofsrecht ist Ländersache bzw. Sache der Gemeinde

In dem Beitrag ‚Was am Ende geht‘ wurde es schon einmal angesprochen: Wie und auf welche Weise Verstorbene beigesetzt werden müssen, regeln die Bundesländer und Gemeinden eigenständig in ihren Bestattungsgesetzen bzw. mit dem Friedhofsrecht. Und in diesem Friedhofsrecht ist auch die Schließung und Entwidmung eines Friedhofes geregelt. So legt z.B. die Münchner Friedhofssatzung fest:

§4 Schließung und Entwidmung

(1) Friedhöfe, Friedhofsteile und einzelne Grabstätten können im öffentlichen Interesse geschlossen oder entwidmet werden. Durch die Schließung wird die Möglichkeit weiterer Beisetzungen ausgeschlossen, durch die Entwidmung verliert der Friedhof seine Eigenschaft als öffentliche Bestattungseinrichtung. Besteht die Absicht der Schließung oder der Entwidmung, so werden über den Tag der Schließung oder Entwidmung hinaus keine Nutzungsrechte mehr erteilt oder verlängert.

Warum wird ein Friedhof entwidmet?

Die Gründe dafür sind vielfältig, aber meistens spielt das ‚liebe Geld‘ eine große Rolle. Oftmals sind wenig frequentierte Friedhofsanlagen in z.B. ländlichen Regionen ein großer Kostenfaktor für die Gemeindekasse und werden daher gerne zu größeren Anlagen zusammengefasst. Oder aber die Gemeinde benötigt das Gelände für einen anderen Zweck.

Und ab und zu kommen auch Friedhöfe einfach ‚in die Jahre‘: So musste der Alte Südfriedhof in München letztendlich geschlossen werden, weil aufgrund der zahlreichen Bestattungen in über 380 Jahren der Boden im alten Teil übersättigt und nicht mehr für Beisetzungen geeignet war.

Was geschieht mit den Gräbern?

Das ist ebenfalls in der Friedhofsordnung geregelt. In München z.B. können Friedhöfe erst geschlossen werden, wenn die Grabnutzungsrechte abgelaufen oder enteignet wurden. In der Düsseldorfer Friedhofssatzung ist unter § 4 Schließung und Entwidmung folgende Regelung zu finden:

(3) Im Falle der Entwidmung werden die in einer Grabstätte Bestatteten für die restliche Nutzungszeit auf Kosten der Stadt in andere gleichwertige Grabstätten umgebettet.

Was passiert mit dem ehemaligen Friedhofsgelände?

Kurz gesagt: Nichts Besonderes. Bei der Entwidmung eines Friedhofs handelt es sich dabei um einen rechtsgestaltenden Verwaltungsakt, durch den dem Friedhof seine Bestimmung entzogen und er einer anderen Verwendung zugeführt wird.

Danach erlangt das Grundstück die völlige Verkehrsfreiheit im Sinne des §903 BGB wieder und ist von jeder Nutzungsbeschränkung befreit. Häufig werden entwidmete Friedhöfe als Grünanlagen genutzt, aber auch Folgenutzungen als Flughafenlandebahn oder Bahntrasse sind bekannt.

Und das bedeutet auch: wenn bei Bauarbeiten alte Gräber gefunden werden, muss nichts Besonderes beachtet werden: ‚Überreste wieder zurücklegen und weiterarbeiten‘ ist dabei wohl die gängigste Methode.

Eine ganz andere Nutzung eines geschlossenen Friedhofes können Sie übrigens in München erleben:

Der Alte Südlichen Friedhof im Herzen von München wurde 1563 –  damals noch vor den Toren der Stadt – angelegt und steht seit 1973 unter Denkmalschutz.

Bereits 1944 wurde der Friedhofsbetrieb eingestellt, aber bis heute ist die Anlage für Besucher geöffnet, die dort auf mehr als 450 Jahre Münchner Geschichte treffen. Eine Sehenswürdigkeit die einen Besuch lohnt. Vielleicht haben Sie ja Lust und schauen mal vorbei, jetzt im August eine ideale kleine, ruhige und schattige Oase in mitten in einer hektischen Großstadt. Zu erreichen mit der U-Bahn Station Goetheplatz oder Sendlinger Tor und dann ein paar Meter zu Fuß.

Share Button
(Visited 442 times, 1 visits today)

1 Comments

© 2019 SinnVoll Trauern

Back to top
Seo wordpress plugin by www.seowizard.org.