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Wenn ich mal nicht mehr bin (Teil 2) – das Grabmal

‚Die beredtesten unter den Steinen sind die Grabsteine‘ *

‚Die eigene Beerdigung regeln‘ Mit diesem nicht alltäglichen Wunsch kam vor einigen Wochen meine Mutter (80) auf mich zu (siehe Artikel). Für den Grabplatz war mittlerweile gesorgt und nun kam die Auswahl des Grabsteins an die Reihe, und hier erlebten wir eine ‚böse‘ Überraschung.

Auswahl des Steins

Gleich neben dem Friedhof haben eine Reihe von Steinmetzen ihre Niederlassungen und so nahmen wir die Gelegenheit wahr, uns eine Auswahl anzusehen und uns Angebote machen zu lassen.

Der Grabplatz den meine Mutter für sich ‚angemietet‘ hatte liegt in einer Sektion mit bestimmten Gestaltungsvorgaben. In ihrem Fall war folgendes festgelegt:

‚ Als Werkstoffe sind nur Naturstein zu verwenden bei denen alle sichtbaren Flächen handwerklich bearbeitet wurden. Folgende Bearbeitungsarten sind erlaubt: geriffelt, gezahnt, gebeilt, geflächt, gekrönelt, gespitzt, scharriert, gestockt, frei von Hieb.

Und damit fielen Holzkreuze und glatte Marmorsteine schon mal weg.

Nachdem wir die Ausstellungsflächen des ersten Anbieters ausgiebig durchforstet hatten, waren drei Steine in der engeren Auswahl verblieben. Der Verkaufsmitarbeiter hatte uns Preise genannt, die zwischen 500,- und 750,- € lagen.

Zu diesen Preisen für den Stein, kommt dann noch der Preis für die Beschriftung, der sich nach Anzahl und Form der Buchstaben und Ziffern richtet. Dabei liegt die Preisspanne zwischen ca. 8,- € für gravierte Buchstaben bis ca. 30,- € für eingelegte Zeichen.

Zusatzkosten

Meine Mutter wollte 15 Buchstaben anbringen lassen, die zuerst gefräst und dann mit Blei ausgelegt werden sollten, damit sie lange sichtbar und nicht zu reinigungsintensiv sind. Preis € 15,90 / Zeichen.

Damit lagen wir – bei Auswahl des teureren Steins – bei 988,50 €. Dachten wir. Aber wir hatten falsch gedacht!

Denn es wurden noch weitere Kosten fällig, nämlich z.B. Genehmigungskosten  incl. Zeichnung ca. 110,-€ und Transport- und Setzkosten 185,- €.

Und die böse Überraschung: auf alle genannten Preise kamen noch einmal die MWST. mit 19%, denn die genannten Beträge waren Nettopreise!!!!

Auf meine Rückfrage warum den an Privatpersonen Nettopreise ausgegeben wurden, teilte mir der Mitarbeiter mit, dass dies der besseren Vergleichbarkeit dienen sollte und es sich auch im Computer besser verwalten ließe. Übrigens eröffnete uns auch der nächste Steinmetz erst auf Nachfrage, dass die von ihm genannten Preise ohne MWST waren: Das ist also gängige Praxis. (Und ich lasse das jetzt mal so stehen und denke mir meinen Teil..)

Nach einigen Besuchen hatte sich meine Mutter dann entschieden: Ein Stein aus italischen Marmor sollte es sein, der ein besonderes Muster hatte. Da dieser glatt poliert war, musste der Steinmetz die Oberfläche zwar noch einmal nachbearbeiten, was aber kein Problem für ihn war.

Ca. 3 Wochen dauerte die Genehmigung des Friedhofs, dann wurde der Stein beschriftet und gesetzt – leider ohne Terminankündigung vom Steinmetz, so dass meine Mutter irgendwann verblüfft feststellen musste, dass alles irgendwann zwischendrin erledigt worden war.

Und jetzt steht der dritte Teil der Mission an, der Gang zum Bestatter den wir im Laufe der nächsten Monate hinter uns bringen werden. Ich werde berichten und zum Abschluss des dritten Teils auch eine Checkliste veröffentlichen mit allen Punkten, die beachtet werden sollten.

 

An meinen Tischler

Macht meinen Sarg von Tannenbrettern, Von euren dünnsten, Meister Dill, Weil ich in Marmor nicht, gleich unsern Erdengöttern, Zur Erde wieder werden will! Man liegt in ihm zu lange still, Ist guter Samen nicht, in Erden Des guten Säemanns, ists in unfruchtbarem Stein: Ich will, sobald ich kann, zur Erde wieder werden, Um nützlich wieder bald zu sein!

Johann Wilhelm Ludwig Gleim  (1719 – 1803), genannt »Vater Gleim«, deutscher Anakreonitiker, Epigramm- und Fabeldichter

 

  • Zitat von Michael Kardinal von Faulhaber  (1869 – 1952)
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