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Hermann Plasa (Coach, Autor, Long Dinstance Biker)

Als Coach hilft er Führungskräften auf den Weg, als Autor hat er bereits mehrere Bücher veröffentlicht, als Long Distance Biker durchkreuzt er in monatelangen Expeditionen die Welt: Hermann Plasa ist ein Mann mit vielen Gesichtern und vielen Seelen, wie er auf seiner eigenen Webseite Plasa Training zugibt. Im Interview erzählt er uns, wie das Thema ‘Endlichkeit’ sein Leben verändert hat und auf welche Wegen es ihm immer wieder ‘über den Weg läuft’:

SinnVoll Trauern: Wie sind Sie dazu gekommen sich mit dem Thema ‚Tod und Endlichkeit‘ auseinander zu setzen?

Mit 20 wurde ich das erste Mal mit dem Thema Endlichkeit ganz persönlich konfrontiert: Man diagnostizierte bei mir eine Krankheit, die alle meine Zukunftspläne als Sportler mit einem Schlag zunichtemachte.

Damals gingen mir viele Fragen durch den Kopf, auch wie das mit mir weiter gehen wird. Für mich war Sport zu treiben der wichtigste Antrieb in meinem Leben, ich war jahrelang 7 Tage in der Woche in Bewegung und konnte plötzlich nur noch kleine Spaziergänge machen. 10 Minuten und das war es:  dann konnte ich wegen der Schmerzen nicht mehr gehen.

Das Schlimme war, dass ich nicht wusste wie es weiter gehen würde und wie schlimm die Krankheit noch wird. Ich habe dann den Entschluss gefasst, alles zu versuchen um die Folgen der Krankheit so lange wie möglich hinaus zu zögern: Mein Ziel wurde es mit 35 in einer besseren Form zu sein als mit 18. Also bin ich erstmal 3-mal in der Woche vor der Uni zur Krankengymnastik und habe mich dann nach und nach auf Sportarten konzentriert die mir gut taten: Radfahren, Laufen und Schwimmen. Und nach einigen Monaten ging es dann langsam bergauf.

Wie hat der Umgang mit diesem Thema Ihr Leben ganz persönlich verändert?

Also erstmal gar nicht so gewaltig, allerdings hatte ich von da an ganz andere Prioritäten, was meine Lebensplanung anging. Ich wusste, dass ich im Hinblick auf meinen Krankheitsverlauf nicht auf die Rente hinleben wollte. In meinem Leben war es selten so, dass ich auf lange Sicht ein entferntes Ziel mit gleichbleibender Begeisterung verfolgte. Oft war mir unterwegs schnell klar war, dass ich mir das Ziel bzw. den Weg dorthin anders vorgestellt hatte. Also baute ich wieder eine Ausfahrt ein, wo eigentlich gar keine geplant war. Entsprechend kurvig verlief mein Lebensweg.

Aber eines war mir klar. Ich wollte mein Leben nicht träumen, sondern meine Träume leben. Nach dem Studium habe ich mich ganz bewusst für die Selbstständigkeit entschieden und damit auch für die Risiken und Ängste, die ein solches Leben mit sich bringt. Aber damit hatte ich die Freiheit, die ich brauchte, mir einen Teil meiner Träume zu erfüllen.

Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrem Umfeld mit diesem Thema gemacht / Wie reagiert ihr Umfeld auf dieses Thema?

In den letzten Jahren ist das Thema für mich natürlicherweise viel präsenter geworden, weil Freunde und Kollegen älter werden und sterben. Darüber hinaus gab es vor einigen Jahren im Familienkreis einen sehr tragischen Todesfall und ich habe erlebt, wie sehr der Tod einer einzelnen Person Familie und Freunde im wahrsten Sinne des Wortes ‚mitnehmen‘ kann.

Bei mir haben diese Todesfälle meine eigene Einstellung zementiert: Ich will alles in meiner Macht stehende tun, um mich möglichst lange in einem – für mich – lebenswerten Zustand zu halten.

Haben sie ganz persönlich den Eindruck, dass sich der Umgang mit diesem Thema im Allgemeinen ändert?

Ich kann hier in Deutschland keine Veränderung feststellen, man geht nach wie vor nicht sehr offenherzig mit dem Thema Tod um. In den USA ist es ähnlich, es gibt zwar Waffen in jedem Haushalt und es werden täglich Menschen erschossen, trotzdem wird in Gesprächen, aber auch im öffentlichen Leben alles unter den Teppich gekehrt, was ans Persönliche, ans Eingemachte geht. Tod und Leiden sind überwiegend Tabu-Themen.

Ich hatte in den USA nur zweimal direkte Berührung mit dem Thema, und in beiden Fällen war der Umgang untypisch: In Tamms (Illinois) kam ich mit einem 67jährigen Mann ins Gespräch, der selbst krank war und sich offen Gedanken darüber machte, wie es bei ihm weitergehen wird, wie lange er so noch weitermachen will. Er hatte wenig Geld, war nur unzureichend medizinisch versorgt und hatte Angst vor einem weiteren Abwärtstrend. Die zweite Situation betrifft einen amerikanischen Freund, dessen Mutter in den 90ern ist und damit in einem Alter, wo das Thema Tod immer näher kommt. Auch er geht mit diesem Thema ganz natürlich um.

Was war ihr lustigstes Erlebnis zu diesem Thema

Ich finde das ist bei diesem Thema schwierig. Ich bringe “Sterben” und “Lustig” einfach nicht zusammen. Sagen wir “nett” – wenn auch nicht direkt in Verbindung mit dem Tod, fand ich das Motto einer Seniorensiedlung in Phoenix, Arizona; ‚Have more fun than your grandchildren‘

Und solange ich nicht näher über die Situation der Betroffenen nachdenke, finde ich den Darwin Award urkomisch.

(Anm. der Redaktion: Den Darwin Award wird posthum an Menschen verliehen, die sich versehentlich selbst aus dem Leben beförderten und dabei ein außergewöhnliches Maß an Dummheit an den Tag legten)

Zur Person:

Hermann Plasa wurde 1959 in Altötting geboren und absolvierte – nach seiner abgeschlossenen Polizeiausbildung – ein Studium zum Diplom-Pädagogen und Diplom-Theologen (ersteres mit, letztes ohne Diplom-Abschluss). Er ist über 20 Jahren als Präsentationstrainer und Coach tätig, hat dazu mehrere Bücher veröffentlicht und ist seit 2008 geschäftsführender Gesellschafter der SoGeht’s GmbH.

Seit 2004 führt ihn seine zweite große Leidenschaft – das Long Dinstance biking – in regelmäßigen Abständen in die USA, die er mittlerweile zum vierten Mal mit dem Rad durchquert hat. Seine Reiseberichte hat er in Büchern veröffentlich und auf seinem YouTube Kanal gibt’s Videodokumentationen dieser Rad-Abenteuer: https://www.youtube.com/user/HermannPlasa

Nicht ganz ernst gemeintes Lieblingsmotto:

 “Früher haben wir gelernt: Ich denke, also bin ich. Heute wissen wir: Es geht auch ohne.” (Dieter Nuhr)

Im nächste Beitrag interviewen wir Jen und Hendrik von mapapu, die mit ihren wundervollen handgemachten Seelentröstern vielen Menschen eine Orientierung geben. Tragen Sie sich in unserem Newsletter ein, damit Sie diesen Beitrag nicht verpassen.

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