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Die Lieb-Haber-Schöpfer: Mapapu-Geburtshelfer Jen und Hendrik

Auf der Messe ‘Leben und Tod’ in Bremen (siehe Beitrag) fiel mir der mapapu-Stand sofort ins Auge. Bunte, kuschlige Wesen bevölkerten die Regale und so kam ich mit Hendrik, einem der beiden mapapu-Geburtshelfer ins Gespräch.

Wie die Idee zu den Mama-Papa-Puppen entstanden ist, welche traurigen und wundervollen Geschichten dahinter stehen und wie diese kleinen Wesen Menschen begleiten, lesen Sie im nachfolgenden Interview:

Das sind mapapus
Das sind mapapus

SinnVoll Trauern: Wie sind Sie dazu gekommen sich mit dem Thema ‚Tod und Endlichkeit‘ auseinander zu setzen?

Am Anfang sind mapapus nur für unseren Freundes- und Bekanntenkreis geboren worden. Als es dann aber einen Trauerfall an der Schule unserer Kinder gab und wir aus Shirts des verstorbenen Bruders zwei mapapus für seine jüngeren Geschwister genäht haben, wurde uns bewusst, was diese kleinen Gesellen noch mehr können, als wir anfänglich dachten: sie haben den unfassbaren Verlust des geliebten Bruders greifbar gemacht. Wir alle wissen ja, dass Kinder mit Kuscheltieren reden – und Antworten bekommen. Nun war in diesen beiden speziellen Trauer-Tröst-mapapus über die wohlbekannten Shirts und den darin enthaltenen Geruch die intensive Symbolik des verstorbenen Bruders enthalten. In den beiden Geschwistern ist auf diese Weise eine Art Kommunikation mit ihrem Bruder entstanden. Und genau diese Kommunikation ist es, die im Trauerprozess sehr weit nach vorne bringen kann. Gleichzeitig haben die trauernden Geschwister eine greifbare Erinnerung an ihren Bruder bekommen.

Uns wurde schlagartig klar, dass wir die mapapus jetzt in die Welt entlassen mussten und gründeten unser kleines Familienunternehmen. Inzwischen entstehen mapapus zu über 90 % für trauernde Menschen; für Kinder wie für Erwachsene, denn in letzteren entsteht die gleiche, eben beschriebene Kommunikation.

Wie hat der Umgang mit diesem Thema Ihr Leben ganz persönlich verändert?

Im Laufe fast jeden Auftrags haben wir einen sehr persönlichen Kontakt mit unseren Kunden. Uns wird fast immer der Grund für die mapapu-Geburt erzählt – und meist steht ein harter Schicksalsschlag dahinter. Zum einen sensibilisiert uns das für die Gesundheit unserer Familie, für die wir sehr dankbar sind. Zum anderen sensibilisiert uns das natürlich auch im Umgang mit anderen Menschen. Vor den mapapus haben meine Frau Jen und ich keinen beruflichen Kontakt zur Palliativ- oder Trauerhilfe gehabt – und zuerst wussten wir nicht, ob wir uns das zutrauen. Es kommt auch tatsächlich immer wieder vor, dass ich nach Telefonaten mit Tränen in den Augen an meinem Schreibtisch sitze. Doch am Ende sind wir beide sehr dankbar dafür, dass wir in diesen Fällen mit unseren kleinen Gefährten ein bisschen Trost spenden können.

Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrem Umfeld mit diesem Thema gemacht / Wie reagiert ihr Umfeld auf dieses Thema?

Wir werden oft gefragt, wie wir das schaffen, so mit den ganzen Schicksalsschlägen und der Trauer unserer Kunden umzugehen. Wir empfinden diese Arbeit als sehr wertvoll, da wir hier und da ein kleines Licht in dunkle Ecken stellen können. Vor allem haben wir aber eine sehr schöne Tatsache festgestellt: Ein Mensch trauert, weil er liebt. Und wie bei einem Neugeborenen haben wir es bei unseren Kunden mit bedingungsloser Liebe zu tun! Ist ein geliebter Mensch verstorben, so sind alle Macken und Fehler verziehen – und über bleibt ebendiese bedingungslose Liebe. Damit haben wir es täglich zu tun. Wunderbar, oder?

Haben sie ganz persönlich den Eindruck, dass sich der Umgang mit diesem Thema im Allgemeinen ändert?

Ja! In Deutschland haben wir innerhalb einer Generation zwei Weltkriege miterleben müssen. Unsere Kultur des Wegguckens – oder besser: Nicht-Hinguckens – hat da ihren ganz rationalen und verständlichen Grund. Wir treffen aber sehr viel auf Menschen, die neben der Trauer auch die beschriebene bedingungslose Liebe ganz intensiv in ihr Blickfeld nehmen und Dankbarkeit verspüren. Dankbarkeit für die wenn auch viel zu kurze Zeit, die der geliebte Mensch im eigenen Leben sein konnte. Wir hoffen und wünschen uns, dass der ein oder andere mapapu den Blick für diese Sichtweise öffnen kann!

Was war ihr lustigstes/schönstes Erlebnis zu diesem Thema?

Oh, es gibt sehr viele schöne Dinge zu berichten! Zum einen ist da die große Menschlichkeit, mit der wir zu tun haben! Viele Menschen setzen sich dafür ein, dass bekannte oder gar unbekannte Trauernde einen mapapu bekommen. So gibt es Menschen, die sammeln still und heimlich im Bekanntenkreis und ergattern sogar ohne das Wissen des Trauernden zwei, drei Shirts, aus denen dann ein mapapu entsteht.

Berührend schön war auch eine erste Klasse, die auf einem Sportfest für einen mapapu Spenden sammelte, um einem Klassenkameraden eine Erinnerung an seine verstorbene Mutter zu ermöglichen. Die Klasse hat viel mehr Spenden gesammelt, als sie gehofft haben – und haben das, was noch an Geld über war, einem Trauerverein der Johanniter gespendet! Das hat mich persönlich sehr bewegt.

Für uns ist es auch sehr schön, dass Ärzte, Therapeuten und Psychologen auf uns zukommen, um uns weitere Einsatzfelder vorzuschlagen. So entstehen mapapus auch für geistig behinderte Menschen, Demenzerkrankte, Borderliner oder als therapeutisches Hilfsmittel für die Arbeit mit dem inneren Kind! Es gibt noch sehr viel Schönes zu berichten, zum Ende aber noch eine ganz besondere Geschichte:

Ein sterbender Mann hatte den Wunsch, einen mapapu aus seiner Kleidung zu Lebzeiten an seinen Sohn zu übergeben. Die Frau des Mannes hat alles organisiert und mit uns abgesprochen, wie wir diesen Wunsch realisieren können. Natürlich haben wir diesen mapapu sofort vorgezogen. Und so kam der mapapu gerade noch rechtzeitig um den sterbenden Mannes in seinem Bett während der letzten Tage zu begleiten. Der Sohn hat es natürlich mitbekommen und hat jetzt, nach dem Tode seines Vaters eine bleibende Erinnerung, die nach seinem Vater aussieht und nach ihm riecht. Und umarmbar ist!

Zu den Personen:

Jennifer Arndt-Lind und Hendrik Lind leben mit ihren Kindern in Tostedt in Niedersachsen.

2007 entwickelten Jen die Idee zu den mpeace-mapapu-78d5678aapapus, anfänglich für ihre eigenen Kinder, später für einen immer größeren Kreis von Kindern und Erwachsenen. Seit 2013 werden die putzigen Seelentröster im eigenen kleinen Familienunternehmen handgefertigt und vertrieben.

Seitdem sind zahlreiche Beiträge und Artikel über Sie erschienen… weitere Informationen und links zu den Reportagen finden Sie hier:

Zur Webseite von Mapapu

Und hier gibt es ein paar Erfahrungsberichte (Zum PDF)

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