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Messebesuch auf der ‘Leben und Tod’

Überschattet vom Bahnstreik fand am 08./09. Mai zum sechsten Mal die Messe ‚Leben und Tod’ in Bremen statt. Das wachsende Interesse an diesem Thema zeigen die Zahlen: 3.554 Besucher trafen dieses Jahr auf 111 Aussteller (2014: 3.352 Besucher/ 103 Aussteller)*

Ein Blick in das Ausstellerverzeichnis verrät was geboten ist: von “A” wie Aidshilfe bis “Z” wie Zentrum für trauernde Kinder bieten Stiftungen, gemeinnützige Organisationen, kirchliche Einrichtungen, Institute, Verlage, Künstler und Manufakturen aus 3 Ländern Einblick in Ihr Angebot.

Ich war für Sie unterwegs und habe die Messe am Freitag besucht. Hier mein ganz persönlicher Erfahrungs-Bericht (der ganz intuitiv entstanden ist und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt)

„…Das Messegelände in Bremen ist leicht zu erreichen: Gleich hinter dem Hauptbahnhof erstrecken sich die Hallen in modernem Design. ‘Der idealen Marktplatz für Ihre Ideen’ steht auf der Webseite der Messe Bremen und ich bin gespannt.

Schon auf dem Weg zur Halle 6 fallen mir die beiden Parallelveranstaltungen auf. Nebenan tagt der ‚DeWu‘, der deutsche Wundkongress, eine Halle weiter findet die ‚My Life‘ statt, die ‚Messe für Prävention und Gesundheit‘. Bemerkenswerte Konstellationen 😉

Wer beim Betreten der Halle Düsternis, Dunkelheit und Gothic Style erwartet hat, wird enttäuscht: Es ist hell, licht, bunt und so überhaupt nicht gruselig. Die Stimmung: Betriebsam und heiter, das Messepersonal: zuvorkommend und nett. Also alles wie auf jeder anderen Messe auch.

201505_Bremen_Messe_1003Gleich auf den ersten Metern wird es erst einmal richtig süß:  Jennifer Arndt-Lind und Hendrik Lind haben ihre Stand mit knuffeligen Stoffpuppen bestückt. Ich bin neugierig, was diese niedlichen Geschöpfe mit dem Thema ‚Tod‘ zu tun haben und werde aufgeklärt: MaPaPu’s sind Mama-Papa-Puppen, die aus getragenen Kleidungsstücken handgefertigt werden. Eigentlich als Wegbegleiter für Scheidungskinder gedacht, werden sie immer häufiger ein großer Trost für trauernde Kinder und Erwachsene

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Schräg gegenüber ist es dann nicht mehr ganz so kuschlig: Eine Reihe bunter Särge umrahmen den Stand der Firma cremona, Feuerbestattungssärge in individuellem Bilddesign, zusammen mit passenden Erinnerungsboxen. „Aus den Bildern des Lebens“ lautet das Motto und im ausliegenden Prospekt wird darauf hingewiesen, dass man eine „Trauerfeier nicht wiederholen“ kann.

Tja so ist das wohl.

Ein paar Meter weiter der Stand der FUNUS Stiftung, die Projekte mit sepulkral kulturellem Bezug fördert. Was das bedeutet muss ich erst einmal selbst nachschauen: „….Sepulkralkultur umfasst die Kultur des Todes, des Sterbens, des Bestattens sowie des Trauerns und kann im weitesten Sinne auch als Trauer- und Begräbniskultur verstanden werden…“ sagt Wikipedia. Da bin ich ja mal gespannt.

Der nette Herr erklärt mir dann, wofür die Stiftung steht, nämlich „… die Bestattung als Kernelement der Menschenwürde zu fördern und ihre Bedeutung stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken“. Zu diesem Zweck werden zum Beispiel Symposien angeboten, das nächste mit dem Titel „Geld spielt keine Rolle“ findet am 17.06.2015 in Leipzig statt.

Dann – mitten im Saal – ein cremefarbener Paket-Lieferwagen?! Hoppla denke ich mir, was macht der denn hier? Dann sehe ich das Logo auf der Seitenwand und erkenne um was es geht: PEGASUS – die mobile Rechtsberatung.

201505_Bremen_Messe_1005Die Pforzheimer Rechtsanwälte Juliette Descharmes und Dominik Güneri haben das Sprichwort mit dem ‘Berg und dem Propheten‘ wortwörtlich umgesetzt. Seit Herbst 2013 bietet die Kanzlei in Ihrem umgebauten Bus fundierte Rechtsberatung vor Ort und ‚liefert‘ Interessenten und potentiellen Mandanten handfeste Lösungen bei Themen wie z.B. Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht.

 

 

Nach einem Päuschen im Cafe geht es dann weiter in die “Juwelenabteilung“. Wer sich mit dem Thema Trauerschmuck noch nicht viel beschäftigt hat, wird erstaunt sein: Mittlerweile gibt es einige Anbieter mit ganz verschiedenen Ansätzen.201505_Bremen_Messe_1006

 

Die Firma Nano Solutions bietet zum Beispiel ‚Schmuck mit Funktion‘: Edelstahl-Anhänger mit Memory Kammern, in denen man kleinste Erinnerungstücke (auch z.B. Asche) luft- und wasserdicht für die Ewigkeit einbetten kann. Mit bunten Kristallen verziert sehen die Kunstwerke dann aus wie ‚unverfängliche‘ modische Schmuckstücke.

 

201505_Bremen_Messe_1007Einen ganz anderen Ansatz bietet Mevisto aus Österreich.

Diese Firma hat sich darauf spezialisiert farbige Saphire herzustellen und ich muss mich gleich belehren lassen, dass es sich nicht um Diamanten handelt, denn die sind unter anderem immer weiß.

Mevisto bietet gefärbte Steine an, die ihren individuellen Farbton durch die Zugabe von Extrakten aus Haaren, Nägeln (oder auch der Asche) von Menschen oder Tieren gewinnen.

 

Und damit bin ich auch schon wieder fast am Ausgang. Natürlich gäbe es noch sehr viel anderes zu entdecken, denn die restlichen 109 Aussteller stünden mir für Fragen sicher auch gerne zur Verfügung und den Raum der Ruhe, den Platz der Begegnung und die Trauerwerkstatt habe ich nur im Vorbeigehen wahrgenommen. Aber mir tun langsam die Füße weh und ich habe für heute genug. Ein Abschlussbesuch bei Petra Hohn am Stand vom VEID (Bundesverband Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e.V.) und ein kurzes Hallo dann geht es ins Wochenende.

Mein Fazit: Eine einzigartige und sehr interessante Messe mit vielen Ansatzpunkten.

Wer sich mit dem Thema auseinandersetzen will, findet hier für 6,- € (Tageskarte) mehr als genügend Gelegenheiten. Die professionelle Distanz der Aussteller, die das nötige Feingefühl beweisen, verhindert die befürchtete Beklemmung.

Innerhalb eines Forums wird darüber hinaus ein sehr interessantes Vortragsprogramm angeboten, das allerdings nicht im Eintrittspreis mit inbegriffen ist.

Die siebte Leben und Tod findet am 29./30.04.2016 statt* und vielleicht haben Sie ja Lust und lassen sich nächstes Jahr selbst beeindrucken?

Ich bin auf jeden Fall wieder dabei”

*Angaben laut aktueller Pressemeldung vom 11.05.2015 der Messe Bremen

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