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Wie ist das mit den Grabdenkmälern?

Seit mehr als 5 Monaten ist Udo Jürgens jetzt tot und durch den Blätterwald der Regenbogenpresse rascheln nach wie vor Geschichten über das unvollendete Grab des Entertainers im Wiener Zentralfriedhof. So berichtet z. B. die BUNTE mit einer Titelstory in der Ausgabe vom 09. April (16/2015) über die Probleme bei der endgültigen Gestaltung des Grabdenkmals. Ob nun letztendlich ein 1,50m x 1,80m großes Piano aus weißem Marmor das Grab schmücken wird, bleibt abzuwarten.

Aber wie ist das mit den Grabmälern eigentlich genau? Was ist in Deutschland möglich und inwieweit unterscheiden wir uns darin von unseren deutschsprachigen Nachbarn?

Grundsätzlich: In Deutschland herrscht Friedhofszwang.

Das bedeutet, dass die Überreste eines Menschen in einem ‚zu diesem Zweck gewidmeten Ort‘ (Friedhof) bzw. in einer pietätsgenehmigten Fläche (Friedwald) verbracht werden müssen. Ausnahme ist die Luft- oder Seebestattung – doch auch hier gelten bestimmte Regeln. Diese Vorschrift wurde in einigen Bundesländern zwar gelockert, ist aber nach wie vor gültig. Ausnahmen gibt es nur in klar definierten Fällen z.b. bei kirchlichen und weltlichen Würdenträgern oder Angehörigen alter Adelsgeschlechter (mit privaten Bestattungsplätzen).

Wie und auf welche Weise Verstorbene beigesetzt werden müssen, regeln die Bundesländer eigenständig in ihren Bestattungsgesetzen bzw. mit dem Friedhofsrecht.

In Österreich gilt ebenfalls Friedhofszwang, in der Schweiz gibt es im Gegensatz dazu kaum Einschränkungen.

Welche Grabmäler sind erlaubt und was muss man beachten?

Die Form und Ausführung eines Grabmals muss im Vorfeld mit der Gemeinde / Kommune bzw. mit der Friedhofsverwaltung abgeklärt und genehmigt werden. Das kann ein paar Wochen dauern. Unmittelbar nach einer Bestattung in einem Erdgrab kann aber ohnehin klein Grabmal errichtet werden, da sich der Boden erst richtig setzen muss. Dieser Vorgang ist frühestens nach 3 Monaten beendet.

Und wer sich schon mal darüber gewundert hat, warum im manchen Friedhöfen in der einen Ecke ‚Holzkreuz an Holzkreuz‘ steht und in der anderen ‚Stein an Stein‘: In vielen Friedhöfen ist genau geregelt wie die Gestaltung in diesen Abteilungen auszusehen hat. Mit der Wahl der letzten Ruhestätte werden dann auch die Gestaltungsvorgaben anerkannt.

In Österreich gelten ähnliche Regeln, in der Schweiz gibt es – da kein Friedhofszwang herrscht – neben den Friedhöfen der Gemeinden auch privat geführte Grabfelder. Hier gelten aber auch entsprechende Regeln und Vorgaben, die im Vorfeld geklärt werden müssen. Ziel aller Grabanlagen ist es „jede Grabstätte so zu gestalten, dass die Würde der Gesamtanlage gewahrt wird“.

Ein konkretes Beispiel gefällig?

Also nehmen wir mal die Friedhofsatzung der Stadt München (Kostenloser Download der aktuellen Satzung FriedhofS 800 auf www.muenchen.de )

Die Grabgestaltung auf den Münchner Friedhöfen ist ziemlich detailliert geregelt. Je nach Abteilung gelten entsprechende Gestaltungsvorgaben bezüglich des Materials (Naturstein – Holz – Metall oder Glas) und der Bearbeitung (geriffelt, gezahnt, gebeilt, geflächt, gekrönelt, gespitzt, scharriert, gestocht, frei von Hieb).

Auf einem Grabplatz ohne Gestaltungsvorgaben kann man der Kreativität hingegen – fast – freien Lauf lassen. Solange das Grabmal nicht über die Grundfläche des Grabes hinaus ragt und man sich mit der Friedhofsverwaltung einigen kann.

Übrigens: Konservendosen, Einmachgläser, Flaschen und Blumenkisten sind in den Münchner Friedhöfen generell verboten. Ebenso wie batteriebetriebene Grablichter.

Und hätten Sie es gewusst?

Explizit erlaubt auf jedem Grabstein sind QR-Codes (siehe FriedhofS 800 vom 05.12.14 – § 29 Grabinschriften) solange sie „frei sind von jeglicher Werbung, Verunglimpfung, Diskriminierung und auch sonst nicht zu beanstanden‘

Das digitale Zeitalter hat also auch hier Einzug gehalten 😉

In diesem Sinne:

20150430_QR_Code

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