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Wenn ich mal nicht mehr bin – Ein Platz für die Ewigkeit

Ob ich nicht mal Zeit hätte mit ihr zur Friedhofsverwaltung zu gehen, fragte mich meine Mutter. Es gäbe da Fragen zum Grab meines Vaters, und ich würde mich doch auskennen. Als wir dann vor Ort waren, waren diese Fragen schnell geklärt und mir wurde klar, um was es wirklich ging: Meine Mutter (80) wollte Vorsorge für sich selbst treffen. Was dann auf mich zukam lesen Sie in dem nachfolgenden Beitrag.

Wer länger plant ist früher tot?

Eine grundsätzliche Feststellung zuerst: Ein Mensch der sich im Vorfeld mit seiner eigenen Beerdigung auseinandersetzt stirbt NICHT zwangsläufig früher!

ABER …. er lebt vermutlich ruhiger!

Denn er muss sich in seiner verbleibenden Lebenszeit nicht mehr mit Fragen auseinandersetzen wie ‚Wo werde ich meine letzte Ruhe finden?‘ ,Wer kümmert sich um mein Grab?‘ und vor allem: ‚Was kostet das meine Hinterbliebenen?‘

Darüber hinaus beruhigt die rechtzeitige Vorsorge nicht nur den später Betroffenen, sondern minimiert auch das Konfliktrisiko innerhalb einer Familie, da im akuten Trauerfall keine Entscheidungen getroffen werden müssen, die dann jahrelang Zündstoff für unschöne Diskussionen liefern.

Umzug eines bestehenden Grabes

Zurück zu meiner Mutter: Nach dem plötzlichen Tod meines Vaters hatte sie sich seinerzeit – mitten in der akuten Trauerphase (!!!) – für eine Grabstelle entschieden, deren Pflege sie mittlerweile überfordert. Darüber hinaus liegt das Grab direkt in erster Reihe in einer Sektion mit Holzkreuzen (weitere Informationen zum Thema Grabgestaltung gibt es in diesem Beitrag ‘Wie ist das mit den Grabdenkmälern?‘) und mitten in der Sonne, was meine Mutter für ihre letzte Ruhe als wenig attraktiv empfindet. Ihr Anliegen war es daher, eine neue Grabstelle zu suchen und die Urne meines Vaters mit ‚umzuziehen‘.

Diese Absicht musste sie jedoch sehr schnell aufgeben: Wie uns die nette Dame der Friedhofsverwaltung erklärte, ist die Umbettung nur in wenigen Ausnahmefällen möglich: z.B. weil eine vorherige Bestattung in einem Familiengrab nicht möglich war.Urnen_Selbstauflösend

Und das heißt: wo eine Urne liegt, bleibt sie letztendlich auch liegen.

Als Lösung bot sie zwei Alternativen: Entweder die Bepflanzung wegzunehmen und dafür Wiese anzusäen (die dann von den Friedhofsgärtnern mitgemäht wird) oder das Grab aufzugeben, die Urne da zu belassen wo sie jetzt ist und an dem neuen Grabplatz nur den Namen anzugeben (in Gedenken an…).

Ein Platz für die ‚Ewigkeit‘

Und damit waren wir beim wahren Grund unseres Besuches: Meine Mutter wollte eigentlich ihre eigene Beerdigung regeln.

Wir hatten Glück: Der zuständige Friedhofsmitarbeiter hatte Zeit mit uns die freien Grabplätze zu besichtigen, auf dem Münchner Waldfriedhof ist das nämlich nur mit einem Auto möglich. Und so fuhren wir auf ‚Besichtigungstour‘Termin_Friedhofsbesichtigung

Der Waldfriedhof in München ist einer der vier großen Friedhöfe in München und umfasst 161,32 Hektar und ca. 64.500 Grabstädten. Eine Grabanmietung ist hier auch ohne aktuellen Sterbefall möglich, doch das ist nicht überall so. Kleineren Friedhöfe (Allach , Aubing, Solln, Riem usw. ) fordern bestimmte Voraussetzungen, z.B. einen 20 – 30 jährigen Hauptwohnsitz im dazugehörigen Bestattungsbezirk.

 

Ab der Ersten sind die dabei? Die Preise

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Kategorien für Grabplätze:

  • Erdgräber für Beerdigungen (im Sarg) mit einer Größe von ca. 80 x 210 cm und
  • Erdgräber für Urnenbeisetzungen, die etwa halb so groß sind.

Pro Grabplatz sind immer mehrere Bestattungen möglich, die ‚Belegungsquote‘ ist aber von Friedhof zu Friedhof anders.

Für Särge muss immer ein eigener Grabplatz ‚gemietet‘ werden, Urnen können darüber hinaus z.B. in einem Urnenfeld oder unter Bäumen bestattet werden. Dieses Angebot variiert von Friedhof zu Friedhof. Auch anonyme Urnenbestattungen sind möglich, dabei werden mehrere Urnen an jeweils unbekannten Terminen, ohne Einbeziehung der Zugehörigen und ohne Bekanntgabe des genauen Liegeplatzes in Sammelgräbern bestattet.

Die Kosten richten sich nach der Größe des Grabes und nach der Lage. Die erste und zweite Reihe eines Gräberfeldes sind ca. doppelt so teuer wie die Reihen weiter hinten.

Grabnutzungsgebühren München

 Gebühr für ein Jahr/€
Alle Angaben ohne Gewähr
Erdgrab (Sarg) - Erste Reihe69,00
Erdgrab ab 2. Reihe 35,00
Erdgrab - vor Hecken (Heckengrab)86,00
Erdgrab - vor Mauer (Mauergrab)103,00
Urnenerdgrab - Erste Reihe49,00
Urnenerdgrab ab 2. Reihe 25,00
Urnenerdgrab - vor Hecken
(Urnenheckengrab)
59,00
Urnenerdgrab - vor Mauer (Urnenmauergrab)72,00
Angaben dem. Friedhofsgebührensatzung der Stadt München - Stand 06.05.2015

Die Grabnutzungsgebühren werden für eine Mindestruhezeit (z.b. 10 Jahre) im Voraus berechnet und auf einmal erhoben. Nach Ablauf dieses Zeitraums kann der Vertrag dann verlängert werden (oder eben nicht), sollte eine Bestattung stattfinden wird die Mindestruhezeit entsprechend verlängert.

Kann man sein eigenes Grab mieten?

Nachdem der nette Herr der Friedhofsverwaltung uns alle Plätze gezeigt hatte, hatte sich meine Mutter entschieden: Ein lauschiges Plätzchen unter einem Baum hatte es ihr angetan in einer Sektion mit Grabsteinen. Nach ein paar Tagen Bedenkzeit besuchten wir ein weiteres Mal die Friedhofsverwaltung um den Grabplatz für die ersten 10 Jahre anzumieten.voraussetzung_Bestattung

Und nein: Man kann sein eigenes Grab nicht selbst mieten. Die Grabnutzungsrechte kann nur eine andere Person erwerben, denn im Falle des Todes braucht die Friedhofsverwaltung einen Ansprechpartner. Also am besten vorher abklären, wer die Grabnutzungsrechte erwerben soll.

Schluss mit der Heimlichkeit

Vor allem ältere Menschen machen sich über ihr Lebensende viele Gedanken, oftmals ganz heimlich, denn das Thema anzusprechen ist ihnen peinlich und sie möchten der Familie mit diesem Thema nicht zur Last fallen.

Trauen Sie sich! Und sprechen Sie ‚Ihre‘ Senioren darauf an. Ganz behutsam vielleicht und nebenbei und signalisieren Sie so die Bereitschaft zur Hilfestellung.

In meinem nächsten Beitrag werde ich von unseren Erfahrungen beim Steinmetz berichten und von den Herausforderungen beim Bestatter und am Ende dieser Serie gibt es eine Checkliste mit allen relevanten Punkten.

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Der Beitrag ‚Neues zur Wer länger plant‘ erschien zuerst auf dem SinnVoll-Trauern Blog

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1 Comments

  • Wenn ich mal nicht mehr bin – Ein Platz für die Ewigkeit – SinnVoll Trauern auf WordPress 23. Juni 2016 at 22:18

    […] Ob ich nicht mal Zeit hätte mit ihr zur Friedhofsverwaltung zu gehen, fragte mich meine Mutter. Es gäbe da Fragen zum Grab meines Vaters, und ich würde mich doch auskennen. Als wir dann vor Ort waren, waren diese Fragen schnell geklärt und mir wurde klar, um was es wirklich ging: Meine Mutter (80) wollte Vorsorge für sich selbst treffen. Was dann auf mich zukam lesen Sie in dem nachfolgenden Beitrag…. weiterlesen […]

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